16. Apr – 09. Mai 2021

WHAT CANNOT BE SEEN

Ausstellung Akademie Galerie Nürnberg

Mit Arbeiten von

Anna Boldt
Max Grünauer
Nicolas Hansmann
Valentin Hesch
Jason Hess
Laura Kniesel
Victoria König
Kira Krüger/Josefa Schundau
Rebecca Schwarzmeier
Max Pospiech
Lorena Thunn

Kurartiert von Maren Lübbke-Tidow  
Fotografie ist ein Medium, das – nicht erst seit der Ankunft des Digitalen – eine maximale Sichtbarkeit hat. Das hat nicht nur mit den Funktionen zu tun, die wir dem Medium zuweisen und mit seinen Formen der Zirkulation, sondern auch mit seiner spezifischen Erscheinungsweise: Licht trifft auf ein Speichermedium, sei es auf einen Film (wie in der analogen Fotografie) oder auf einen elektronischen Bildsensor (wie in der digitalen Fotografie) und verdichtet sich zu einem Bild, das wir als ein Abbild der Realität wahrnehmen. So verstanden macht die Betitelung des Festivals, im Rahmen dessen diese Ausstellung angesiedelt ist, mit "Facing Reality" Sinn. Denn die Fotografie erscheint uns immer noch als ein Medium, mit dem wir die Behauptung aufstellen können: So ist es gewesen. Oder: So haben wir gelebt. Aber: Ist es dem wirklich so? Was kann über die Bilder eigentlich gesagt und gewusst werden? Stehen das Sichtbare und Sagbare nicht schon immer in einer Spannung? Die Ausstellung "What Cannot Be Seen" greift speziell diesen Gedanken auf. Dabei versuchen ihre teilnehmenden Künstler*innen sowohl den technischen und bildnerischen Eigenschaften der Fotografie wie auch ihren Erscheinungsformen bzw. den Kontexten der Bedeutungsproduktion auf den Grund zu gehen. Dafür arbeiten sie mit frühen experimentellen Techniken wie Direktbelichtungen oder alten Printtechniken wie der Cyanotypie gleichermaßen wie neueste Anwenderlogiken wie der Screenshot oder das KI-Programm Deep Dream auf ihre jeweiligen fotografischen Eigenschaften untersucht werden. Die Bilder sind von Recherchen über das Medium getragen und von Texten umgeben – und weisen oftmals ins Objekthafte und Installative. Selbst das Gedankenexperiment von Schrödingers Katze kann für die Fotografie und was ihr Status ist von Bedeutung sein – und nicht in ein fotografisches Bild, sondern in einen Comic münden. Es geht also darum die Hintergründe der Produktion als wesentlichen Teil der künstlerisch-bildnerischen Praxis zu begreifen. In der Konsequenz bedeutet dies – zumindest für diese Ausstellung – ganz bewusst und offensiv die Abbildlogik, die dem Medium so sehr eingeschrieben ist, zu verlassen und in Anknüpfung an medienreflexive Debatten, die das Medium ab den 1970er Jahren beherrscht, neue Wege der Wahrnehmung zu öffnen. Um der Realität also entschieden entgegentreten zu können – auch mit Bildern –, müssen wir erst einmal dass begreifen, was hinter den Bildern liegt, also dass, was nicht gesehen wird.