2022 01

Autofiktion

Workshop mit Kathrin Busch




Als Susan Sontag Mitte der 1960er Jahre eine neue Sensibilität der Kunst behauptet und Rosalind Krauss zehn Jahre später über Sense and Sensibility in der post-minimalistischen Kunst nachdenkt, steht für beide Autorinnen fest, dass Sensibilität alles andere als eine unmittelbare, das Eigene oder Private betreffende Empfindsamkeit ist. Sie stellen deren gesellschaftliches Gemachtsein sowie ihre Künstlichkeit heraus und betonen ihre unhintergehbar ästhetische Dimension. Was dagegen heute unter einer neuen Hypersensibilität firmiert, ist entweder ihre naturalisierte oder politisierte Form: Die Empfindsamkeit der Übersensiblen wird physiologisch erklärt, pathologisiert und therapiert, während die gesteigerte Sensibilität im Politischen das Ästhetische verwirft.

Der Workshop fragt angesichts der Aktualität von Überempfindlichkeit nach ihren künstlerischen Formen, ihren körpertheoretischen und epistemischen Implikationen und nach einem neuen, autofiktionalen Gebrauch des Selbst in seinen sozialen Kontexten. 
Dabei werden Texte von Georges Bataille, Roland Barthes, Didier Eribon, Jack Halberstam, Jutta Koether, Alex Kitnick, Lorenza Boettner und Paul B. Preciado näher betrachtet.

Text ©  Kathrin Busch, 2022
Scan © Texte zur Kunst, September 2019, Heft 115